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Discordance

Au nom de l’occupation subie par le Nord- Pas-de-Calais
Louis Mexandeau critique la venue de M. Schröder


«SI l’on referme une plaie sans l’avoir soignée, elle ne peut cicatriser.» Au moment où le chancelier allemand Gérard Schröder arrive en France pour participer aux commémorations du soixantième anniversaire du Débarquement en Normandie, Louis Mexandeau, ancien ministre des Anciens Combattants de 1991 à 1993, fait entendre une voix discordante dans le concert de louanges qui salue la présence pour la première fois d’un chef de gouvernement d’outre-Rhin à ces cérémonies.
Originaire de Wanquetin dans le Pas-de-Calais, l’ancien ministre de François Mitterrand critique cette participation historique alors que sa région d’origine, «le Nord - Pas-de-Calais, détachée du territoire national, a subi une occupation impitoyable marquée par des prélèvements immenses en produits et en hommes et par une répression féroce qui se solda par des milliers de fusillés et de morts en déportation».

«Réparations et repentance»
M.Mexandeau a donc écrit à M. Schröder pour lui expliquer que «ces forfaits n’ont jamais fait l’objet de la part de l’Allemagne ni de la moindre reconnaissance, ni de réparations, ni bien sûr de repentance».
L’ancien député souligne que le sort de l’Alsace-Moselle a été totalement différent de celui de sa région.
Sans demander à M. Schröder de renoncer à sa présence en Normandie le 6juin, il assure dans sa lettre au chancelier fédéral allemand qu’il apporterait « justice et réconfort à la région Nord - Pas-de-Calais, si vous exprimiez, au nom du peuple allemand, les paroles qui conviennent. Sinon il y aurait grand risque à ce que le malheur ne soit jamais soldé.»
Hier à sa permanence de Caen, M. Mexandeau n’avait toujours pas reçu de réponse.
J.-F.G.



Das letzte heroische Kapitel

Die Invasion in der Normandie war die bedeutendste Schlacht des Zweiten Weltkriegs, glaubt der britische Militärhistoriker John Keegan. Bei den Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag hätte er sich eher deutsche Veteranen als den Bundeskanzler gewünscht
von Thomas Kielinger

Am 6. Juni 1944 landeten Amerikaner, Briten und Kanadier in der  Normandie

DIE WELT: Wenige Tage nach dem 6. Juni 1944 telegrafierte Stalin anChurchill: "Die Geschichte der Kriege weist kein Unternehmen auf so  breit in der Anlage, so grandios im Ausmaß, so meisterhaft in derAusführung." Stimmt der Historiker dem zu?

Sir John Keegan: War das Stalin? Ich frage mich, wer ihm das  formuliert hat. Stalin hat nie gerne gelobt. Natürlich: Die Aussage stimmt. Keine Schlacht des Zweiten Weltkriegs kam dem Unternehmen in der Normandie gleich. Auch nicht die Landung der Alliierten in Salerno am 9. September 1943. Bedenken Sie die Vorbereitung: Der Aufmarsch der Amerikaner in England, wo am Ende zwei Millionen GIs auf ihren Einsatz warteten; die schwimmenden Häfen; die Spezialpanzer; die um den Einsatz von Gleitflugzeugen erweitere Rolle der Fallschirmspringer; die absolute Luftüberlegenheit; das Netz der Täuschungen, über Jahre gesponnen, um die Deutschen im Unklaren zu lassen über Ort und Zeitpunkt der Invasion.

DIE WELT: Normandie oder Stalingrad: Welche Zäsur war die bedeutendere?

Keegan: Ich will Stalingrad auf keinen Fall herunterspielen. Aber im kriegstechnischen Sinn war es eine Landschlacht am Ende der Geschichte solcher Landschlachten. Man hätte sich auch Napoleon, moderner ausgerüstet als zu seiner Zeit, versteht sich, vorstellen können vor Stalingrad. Ein erneutes Scheitern der Eindringlinge im russischen Raum. D-Day hatte eine andere Dimension: Ein see- und luftgestütztes Invasionsheer wird am europäischen Ufer abgesetzt. Einzigartig - auc als Bild, wie es viele auf deutscher Seite beschrieben haben. Diese "goldene Stadt" der Lichter, wie es einer nannte, die sich nach dem 6. Juni von den Stränden bis zum Saum des Himmels erstreckte, abertausende von Positionslichtern der angelangten über 30 000 Schiffe diverser Bauart.

DIE WELT: Sie haben in Ihren Büchern auch den Mangel an Vorbereitung auf der deutschen Seite untersucht. Da prallten zwei Ungleiche aufeinander: hier die etwas gemächliche Gangart der deutschen Westtruppe - dort die über zwei Jahre währende intensive Vorbereitung hoch motivierter Soldaten und Planer.

Keegan: Ich habe mich in der Tat oft gefragt, wie ich als deutscher Stabsoffizier reagiert hätte über diese Nichtbereitschaft am Atlantikwall. Wo doch alles hätte unternommen werden müssen, schon die praktisch nicht vorhandene Luftabwehr wenigstens am Boden auszugleichen. Das änderte sich erst mit Rommels Eintreffen Ende 1943, und zwar schlagartig - aber eben zu spät.

DIE WELT: Ein Gefangener sagte im Verhör: "Das Beste der deutschen Armee liegt gefallen in Russland."

Keegan: Das stimmte im Großen und Ganzen. Aber ich habe immer gefunden, dass auch im Westen, als die Kräfte erst einmal nach vorne geworfen wurden, das deutsche Heer mit außerordentlicher Zähigkeit und Improvisationsgabe kämpfte. Nennen Sie mir einen unserer Veteranen oder einen britischen Historiker, der nicht immer in höchstem Respekt vom deutschen Soldaten gesprochen hat.

DIE WELT: Dennoch hat der D-Day in der britischen Psychologie einen  anderen Platz als in Deutschland.

Keegan: Der letzte Gedenktag dieser Art, es war 1995, die 50-Jahr-Erinnerung an das Kriegsende, wurde auch in meinem Dorf hier, Kilmington in Wiltshire, als bewegendes Gemeinschaftserlebnis begangen. Man holte seine Uniformen hervor, den Veteranen wurde große Achtung entgegengebracht. Die Nation sah im D-Day schon immer so etwas wie eine Errettung, nach Dünkirchen, dem Luftkrieg über England, den Jahren der Isolation als der letzte freie Außenposten Europas. Die Briten schätzen an ihrer Geschichte vor allem Kontinuität. Die Nation die Wertbilder, der Kampf, wenn es sein muss. Und vergessen Sie nicht: Die Kriegsjahre waren das letzte heroische Kapitel unserer Geschichte.

DIE WELT: 1984 war ich in der Medienbegleitung Ronald Reagans bei den Gedenkfeiern in der Normandie. Ein Beamter des Weißen Hauses sagte uns damals, er könne die Rhetorik über den Nazi-Gegner, den man niedergerungen habe, mit dem Bild des modernen Deutschland nicht recht in Einklang bringen. Was würden Sie Schröder raten, am 6. Juni zu sagen, um diese Diskrepanz zu überbrücken?

Keegan: Ich bin über die Präsenz des Bundeskanzlers bei den  diesjährigen Feierlichkeiten zum D-Day ein wenig gespalten. Es ist ein Tag der Militärgeschichte, von unsäglichen Opfern auf beiden Seiten, ich würde daher in erster Linie deutsche Veteranen bei den Gedenkfeiern sehen wollen. Was sollte Schröder sagen? Schwer zu beurteilen.

DIE WELT: D-Day - das Datum, mit dem die amerikanische Ordnungsrolle in den Belangen Europas begann, auch der Aufstieg der USA zu einer  imperialen Macht. Was hat sich im Verhältnis zu Amerika geändert seit 1944, und . . .

Keegan: Verzeihen Sie, dass ich unterbreche, aber vom "amerikanischen Imperialismus" sprach 1944 niemand, schon gar nicht in England. Wissen Sie, wir hatten selbst noch unser eigenes Empire in den Knochen, dessen Ende erst nach dem Krieg sinnfällig wurde. Amerika war  natürlich mit seinem Arsenal an Truppen und Material der kriegsentscheidende Partner, aber wir sahen uns als noch immer tonangebend an, reicher an Erfahrung als die Amerikaner.

DIE WELT: Aus der imperialen Macht ist eine Hypermacht geworden, die sich nicht mehr der alten Beliebtheit erfreut, gerade in Kreisen des
 befreiten "alten Europa". Das hat sich mit dem Irak-Krieg beschleunigt. Nach den Bildern aus dem Gefängnis Abu Ghraib kündigte der Chefredakteur von "Le Monde" die Solidarität mit den USA nach dem 11. September 2001 geradezu auf und schrieb: "Wir sind jetzt alle  Nicht-Amerikaner!"

Keegan: Frankreichs Antiamerikanismus ist ein Sonderfall. Er hat eine lange Geschichte . . .

DIE WELT: . . . die auch etwas mit dem Akt der Befreiung durch die Anglo-Amerikaner zu tun haben mag.

Keegan: Durchaus. Wer liebt schon die Befreier? Churchill schrieb an Lord Halifax, nach 1940 britischer Botschafter in Washington: "Nationen, die kämpfend untergehen, werden wieder auferstehen. Nationen, die kapitulieren, nie." Frankreich ist ein Sonderfall.

DIE WELT: Liegt die Abkühlung in den transatlantischen Beziehungen nicht auch an der veränderten Bedrohungslage? Der Krieg gegen Hitler und der Kalte Krieg hatten ein klares Feindbild. Anders der Kampf gegen den internationalen Terrorismus: Wir streiten uns mehr, als dass wir uns einig sind.

Keegan: Richtig, wir haben noch keine optimale Antwort auf die neue  asymmetrische Bedrohung gefunden. Aber der Irak-Krieg taugt nicht als Beispiel, dass es mit den Bündnisbeziehungen bergab geht. Die Probleme der Koalition im Irak werden von den Medien stark aufgebauscht.
Niemand fragt, woher diese Probleme rühren. Sehen Sie, in Deutschland  waren die Menschen Anfang 1945 absolut kriegsmüde und erschöpft. Jede Familie, jede Stadt, jeder Landesteil hatte seine horrende Erfahrung  mit dem Krieg machen müssen. Das Land war zu 99 Prozent bereit für den Frieden, für den Neuanfang. Auch für seine Besatzer, die es größtenteils willig annahm. Das Gleiche galt für Japan. Wo stand dagegen der Irak im April 2003? 95 Prozent der Bevölkerung waren durch den Blitzkrieg gänzlich unberührt geblieben. Sie erleben erst im Nachhinein Unsicherheit, Gefahr, und auch das beileibe nicht in allen Landesteilen. Ein Krieg, der erst nach Ende der Kampfhandlungen als Krieg erlebt wird, ist etwas anderes als ein Krieg, der am Ende wirklich an sein Ende gekommen ist und Platz macht für friedlichen Aufbau. Im Irak hat der Krieg dem Land insgesamt keinen großen Schaden zugefügt. Aber die Macht des Staatsapparats wurde gebrochen, und das ermutigt die Enteigneten und andere Übeltäter, an sich zu reißen, was sie können, Unruhe und Chaos zu stiften, ehe die Ordnung wieder voll hergestellt ist.

DIE WELT: Aber hat die Vorbildfunktion der Vereinigten Staaten, und dadurch die Qualität der Beziehungen, nicht gelitten durch die Beispiele der menschlichen Enthemmung, wie aus Abu Ghraib bekannt geworden?

Keegan: Ich habe es von Anfang an für einen Fehler der amerikanischen Führung gehalten, in bestimmten Fällen die Genfer Konvention für nicht relevant zu erklären. Daraus haben einige Subalterne den Schluss gezogen, sie dürften sich alles gegenüber Gefangenen erlauben, und zwar straffrei. Aber das waren wenige Reservisten, also nicht ordentlich ausgebildete Soldaten. Sie wissen doch, wie leicht man in den USA Reservist werden kann.

DIE WELT: Sie halten also die Störungen in den transatlantischen Beziehungen heute für nicht dauerhaft? D-Day anno 2004 ist keine Abschiedsveranstaltung eines einst starken Bündnisses?

Keegan: So sehe ich es, ja. Belastend ist viel mehr das wachsende Ungleichgewicht der Kräfte zwischen den USA und Europa. Das hemmt die Europäer. Einzig Großbritannien behält sich noch den Einsatz militärischer Macht an der Seite der Vereinigten Staaten vor. Es mag  im Moment so sein, dass die Menschen keinen Bedarf haben für amerikanischen Schutz. Aber sobald sich eine Verschlechterung der internationalen Lage ergibt - wonach werden wir rufen? Nach amerikanischer Führung.

Das Gespräch mit Sir John Keegan führte Thomas Kielinger.

Artikel erschienen am 5. Juni 2004

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