Fédération des Associations Franco-Allemandes pour l'Europe
"Die
deutschen Muslime haben sehr verantwortungsvoll reagiert"
- von Mariam Lau
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- DIE WELT: Frau
Böhmer, was geht Ihnen als Integrationsbeauftragte durch den Kopf, wenn Sie die
gewalttätigen Mobs in islamischen Ländern sehen?
- Maria Böhmer:
Mich treibt die Sorge um, ob die Ansätze zur Integration, die wir jetzt weiter
entwickeln wollen, durch diese Auseinandersetzung unterminiert werden. Auf der
anderen Seite habe ich mit Dankbarkeit registriert, wie verantwortungsvoll die
muslimischen Vertreter in Deutschland oder der türkische Ministerpräsident im
Streit um die Karikaturen reagierten. Sie haben die Gewalt zurückgewiesen. Für
den Hinweis auf die Verletzung religiöser Gefühle habe ich größtes Verständnis.
Meine Schlußfolgerung ist: Wir brauchen einen Dialog der Kulturen, und da haben
wir auch in Deutschland noch eine große Aufgabe vor uns.
- DIE WELT: Warum
gehen die deutschen Muslime nicht auf die Straße?
- Maria Böhmer:
Integration im Sinne unserer Verfassung heißt, unsere demokratischen Regelungen
nicht nur zu kennen, sondern sie auch anzuwenden. Offenbar hat genau das
stattgefunden. Die Muslime sagen, wir haben den Respekt vor unseren religiösen
Symbolen vermißt, aber auch: wir bewegen uns hier in einer Demokratie, und
deren Spielregeln gelten.
- DIE WELT: Warum
hat das bei uns geklappt und in Dänemark oder Frankreich nicht?
- Maria Böhmer:
Frankreich hat das Problem der Banlieues: auch mit französischem Pass und besten
Kenntnissen der französischen Sprache fühlen sich gerade die Jugendlichen
ausgegrenzt, die auf dem Arbeitsmarkt nicht Fuß fassen können. Dieses Gefühl
der Aussichtslosigkeit befördert die Radikalisierung. Hier haben wir mit Recht
die Weichen anders gestellt. Wir müssen alles daran setzen, daß schulische und
berufliche Qualifikation gelingt.
- DIE WELT: Hat
Europa bisher richtig reagiert, oder zu defensiv?
- Maria Böhmer: Die
Lehre aus Dänemark lautet: man kann nicht früh genug das Gespräch suchen. Das
Thema Integration müssen wir jetzt auf europäischer Ebene weitertreiben.
- DIE WELT: Plant
die Bundesregierung konkrete Schritte? Wäre zum Beispiel eine Konferenz auf dem
Petersberg denkbar, auf der man sich dann mal alles sagt, was man sich schon
immer einmal sagen wollte?
- Maria Böhmer: In
diesem Konflikt müssen zunächst die Gesprächsfäden wieder aufgenommen werden,
bevor man an die Einberufung einer solchen Konferenz denkt. Worauf es jetzt
ankommt, ist, die Globalisierung eines Konflikts der Kulturen zu verhindern.
- Maria Böhmer
(CDU) ist Integrationsbeauftragte der Bundesregierung. Das Gespräch
führte
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- Mariam Lau
- Artikel
erschienen am Do, 9. Februar 2006